Viele Eigentümer haben ihre Ferienwohnung in Italien in den letzten Jahren auf Schlüsselbox und Türcode umgestellt. Seit einem Urteil des italienischen Staatsrats Ende 2025 ist klar: Ein Self-Check-in in der Ferienwohnung in Italien ist nur noch zulässig, wenn die Identität der Gäste vorher tatsächlich geprüft wurde. Wir erklären, was das konkret bedeutet, welche Lösungen in der Praxis funktionieren und worauf Sie vor der Wintersaison achten sollten.
Was ist passiert? Die Rechtslage in Kürze
Am 18. November 2024 hat das italienische Innenministerium in einem Rundschreiben festgelegt, dass Gastgeber ihre Gäste persönlich identifizieren müssen. Eine reine Übermittlung von Ausweisfotos per Mail oder Chat, gefolgt von einem Code für die Schlüsselbox, reiche nicht aus. Hintergrund sind Sicherheitsgründe: Die Behörden wollen wissen, wer sich tatsächlich in einer Unterkunft aufhält.
Das Verwaltungsgericht Latium (TAR) hat dieses Rundschreiben im Mai 2025 zunächst aufgehoben. Viele Vermieter gingen danach davon aus, dass der kontaktlose Check-in wieder uneingeschränkt erlaubt sei. Der Staatsrat (Consiglio di Stato) hat diese Entscheidung jedoch mit Urteil Nr. 5732 vom 21. November 2025 aufgehoben. Seitdem gilt: Die Identifikation muss tatsächlich erfolgen, also persönlich vor Ort oder über eine Videoverbindung in Echtzeit, bei der geprüft wird, ob die ankommende Person zum Ausweisdokument passt.
Rechtsgrundlage ist Artikel 109 des italienischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit (TULPS). Er gilt für alle, die Gäste beherbergen, also auch für private Eigentümer mit einer einzelnen Ferienwohnung.
Self-Check-in Ferienwohnung Italien: Was heute erlaubt ist
Das Urteil verbietet Schlüsselboxen und Smart Locks nicht grundsätzlich. Entscheidend ist die Reihenfolge: Erst wird der Gast identifiziert, dann erhält er Zugang. In der Praxis haben sich drei Wege etabliert.
1. Persönliche Übergabe vor Ort
Die klassische Lösung: Eine Person empfängt die Gäste, gleicht Ausweis und Gesicht ab und übergibt die Schlüssel. Das ist rechtlich die sicherste Variante, bedeutet aber Aufwand bei späten Anreisen, Verspätungen und Wechseltagen mit mehreren Ankünften.
2. Video-Identifikation in Echtzeit
Laut Staatsrat ist auch eine Identifikation aus der Ferne möglich, wenn sie in Echtzeit erfolgt. Der Gast zeigt bei Ankunft per Videoverbindung sich selbst und sein Ausweisdokument, der Gastgeber oder die Verwaltung prüft die Übereinstimmung und gibt erst danach den Zugang frei. Wichtig ist, dass die Prüfung zum Zeitpunkt der Ankunft stattfindet und nicht Tage vorher per Foto.
3. Schlüsselbox oder Smart Lock als zweiter Schritt
Schlüsselboxen und elektronische Schlösser bleiben nützlich, aber nur als Zugangsmittel nach erfolgter Identifikation. Ein Code, der automatisch Tage vor der Anreise verschickt wird, ohne dass jemand die Gäste gesehen hat, entspricht nicht mehr den Anforderungen. Viele Systeme erlauben es, den Code erst nach der Prüfung zu aktivieren.
Meldepflichten, die zusätzlich gelten
Die Identifikation ist nur ein Teil der Pflichten. Für Ferienwohnungen in Italien kommen weitere Punkte hinzu:
- Alloggiati Web: Die Daten aller Gäste müssen über das Portal der Polizei gemeldet werden, in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach Ankunft.
- CIN: Der nationale Identifikationscode (Codice Identificativo Nazionale) ist für Unterkünfte zur Kurzzeitvermietung Pflicht. Er muss in Inseraten angegeben und an der Unterkunft sichtbar angebracht werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder.
- Kurtaxe: Die Imposta di soggiorno wird von der Gemeinde festgelegt. Höhe, Befreiungen und Abrechnungsweg unterscheiden sich von Ort zu Ort.
- Lokale Regeln zu Schlüsselboxen: Einige Städte beschränken Schlüsselboxen an Fassaden oder im öffentlichen Raum, etwa Florenz in der historischen Altstadt oder Mailand seit Januar 2026 auf öffentlichem Grund. Auch Hausordnungen von Eigentümergemeinschaften können Vorgaben machen.
Welche Regeln in Ihrer Gemeinde gelten, prüfen wir im Erstgespräch individuell. Bitte verstehen Sie diesen Beitrag als Orientierung und nicht als Rechtsberatung.
Was das für Eigentümer am Gardasee, in Ligurien und in Courmayeur bedeutet
Gerade Eigentümer, die nicht vor Ort wohnen, hatten auf den kontaktlosen Check-in gesetzt. Am Gardasee reisen viele Gäste mit dem Auto an und kommen je nach Verkehr über den Brenner zu sehr unterschiedlichen Zeiten. In Ligurien sind es oft Anreisen mit Bahn oder Mietwagen am Abend. Und in Courmayeur beginnt bald die Wintersaison, in der Schnee, Tunnelsperrungen oder Staus am Mont Blanc die Ankunftszeiten verschieben.
Für all diese Fälle braucht es eine Lösung, die zwei Dinge verbindet: eine rechtssichere Identifikation und eine flexible Anreise für die Gäste. Wer das nicht sauber organisiert, riskiert nicht nur Probleme mit Behörden, sondern auch schlechtere Bewertungen, wenn Gäste abends vor verschlossener Tür warten.
Checkliste vor der Wintersaison
- Prüfen Sie, wie Ihre Gäste aktuell identifiziert werden und ob der Zugangscode erst danach freigegeben wird.
- Legen Sie fest, wer bei späten Anreisen erreichbar ist, persönlich oder per Video.
- Informieren Sie Gäste schon in der Buchungsbestätigung, dass bei Ankunft eine kurze Identifikation nötig ist. Das vermeidet Missverständnisse.
- Kontrollieren Sie, ob die CIN in allen Inseraten und an der Unterkunft korrekt angegeben ist.
- Stellen Sie sicher, dass die Meldung über Alloggiati Web fristgerecht erfolgt, auch an Wochenenden und Feiertagen.
- Klären Sie, ob Ihre Gemeinde oder Ihre Eigentümergemeinschaft Vorgaben zu Schlüsselboxen macht.
- Achten Sie beim Umgang mit Ausweisdaten auf den Datenschutz und speichern Sie nur, was vorgeschrieben ist.
In unseren Leistungen übernehmen wir die Gästeidentifikation, die Meldungen und die Schlüsselorganisation für Sie, sodass Ihre Gäste flexibel anreisen können und die Abläufe den aktuellen Vorgaben entsprechen.
Häufige Fragen
Ist ein Self-Check-in in einer Ferienwohnung in Italien noch erlaubt?
Ja, aber nur, wenn die Identität der Gäste vorher tatsächlich geprüft wurde, persönlich oder per Videoverbindung in Echtzeit. Die Schlüsselbox oder das Smart Lock dient danach nur noch als Zugangsmittel.
Reicht es, wenn Gäste vor der Anreise ein Foto ihres Ausweises schicken?
Nein. Nach dem Urteil des Staatsrats vom 21. November 2025 genügt die bloße Übermittlung von Dokumenten nicht. Es muss geprüft werden, dass die ankommende Person tatsächlich die im Ausweis genannte Person ist.
Gilt die Pflicht auch für private Eigentümer mit nur einer Wohnung?
Ja. Die Identifikations- und Meldepflichten gelten für alle, die Gäste beherbergen, unabhängig davon, ob Sie eine oder mehrere Unterkünfte vermieten.
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